Tourismusverband Allgäu/Bayerisch-Schwaben (TVABS) | 75. Vollversammlung in Mindelheim
Eine Branche, die Menschen und Regionen trägt
Am 22. Juni 2026 wurde im Forum in Mindelheim nicht nur Bilanz gezogen, sondern ein klares Signal gesendet: Bei der 75. Vollversammlung des Tourismusverbandes Allgäu/Bayerisch-Schwaben (TVABS) rückte eine Branche in den Mittelpunkt, die oft unterschätzt wird – und doch das Rückgrat ganzer Regionen bildet und ausschlaggebend zur regionalen Entwicklung beiträgt. Rund 100 Teilnehmende kamen zusammen, um über Perspektiven, Verantwortung und die Zukunft einer Leitökonomie zu sprechen, die nicht beim Thema Reisen aufhört.
Es war ein Treffen, das von Zusammenhalt, Überzeugung und dem gemeinsamen Willen geprägt war, die Region aktiv zu gestalten. Deutlich wurde: Tourismus ist nicht nur Wirtschaftsfaktor, sondern Lebensgrundlage, Identitätsstifter und Zukunftschance zugleich. Im Zentrum der Diskussion stand die Frage, welche Rolle der Tourismus heute tatsächlich spielt. Die Antwort darauf liefert nicht nur die tägliche Praxis vor Ort, sondern auch eine fundierte Untersuchung: Die aktuelle Wirtschaftsfaktor-Studie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr (dwif) zeigt eindrucksvoll, wie tief die Branche in der Region verwurzelt ist – wirtschaftlich, sozial und strukturell.
Eine Branche, die Existenzen sichert
Wer über Tourismus spricht, spricht im Allgäu und in Bayerisch-Schwaben über Menschen. Über Familien, deren Einkommen davon abhängt. Über Betriebe, die Perspektiven schaffen. Und über eine Region, die durch ihre Gäste lebendig bleibt. Laut der dwif-Studie sind es mehr als 86.000 Arbeitsplätze, die direkt mit dem Tourismus verbunden sind. Hinter jeder dieser Zahlen steht eine Existenz – und ein starkes Argument dafür, die Bedeutung dieser Branche neu zu bewerten.
Gerade im ländlichen Raum entfaltet dieser Effekt eine besondere Kraft. Arbeitsplätze im Tourismus sind nicht verlagerbar. Sie entstehen dort, wo Menschen leben, und sie bleiben dort. Das macht sie zu einem stabilisierenden Faktor, der sich nicht allein in ökonomischen Kennzahlen abbilden lässt. Tourismus schafft Perspektiven, wo andere Branchen oft keine Alternativen bieten.
Wertschöpfung für die gesamte Region
Dabei profitieren längst nicht nur Hotels oder Gastronomiebetriebe. Die Wertschöpfung verteilt sich breit über zahlreiche Bereiche hinweg: Einzelhandel, Handwerk, Dienstleistungen. Der Gast, der einkauft, reparieren lässt oder regionale Angebote nutzt, sorgt dafür, dass Geld in die Region fließt, bleibt und sich dort weiter entfaltet. Genau diese Vernetzung macht den Tourismus zu einer echten Leitökonomie.
Und dennoch steht die Branche vor Herausforderungen. Während der Markt für Tagesausflüge spürbar unter Druck geraten ist, zeigt sich die Region insgesamt widerstandsfähig. Diese Stabilität ist kein Zufall, sondern das Ergebnis konsequenter Weiterentwicklung, enger Zusammenarbeit und eines klaren strategischen Blicks nach vorn.
Die Notwendigkeit politischer Weichenstellung
Ein zentrales Thema der Vollversammlung war daher auch die politische Einordnung. Klar ist, dass eine starke Branche auch verlässliche Rahmenbedingungen braucht. Gefordert wird keine zusätzliche Belastung durch pauschale Abgaben, sondern eine zielgerichtete Finanzierung, die dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Investitionen in Infrastruktur, Mobilität und Digitalisierung sind keine Kür, sondern Voraussetzung dafür, dass die Region auch künftig wettbewerbsfähig bleibt.
Neue Perspektiven
Gleichzeitig richtet sich der Blick klar nach vorn. Neue Geschäftsfelder eröffnen zusätzliche Chancen – allen voran der Bereich rund um Tagungen, Kongresse und Firmenveranstaltungen. Dieses Segment verspricht nicht nur zusätzliche Wertschöpfung, sondern auch eine bessere Auslastung außerhalb klassischer Reisezeiten. Für viele Betriebe entsteht hier ein neues Spielfeld mit großem Potenzial.
Doch auch die traditionellen Stärken bleiben unverzichtbar. Der Radtourismus etwa zeigt, wie erfolgreich sich die Region im Wettbewerb behaupten kann. Ebenso wächst die Bedeutung kultureller und historischer Themen, die dem Angebot mehr Tiefe verleihen und neue Perspektiven eröffnen. Die Region zeigt sich dadurch vielseitiger, authentischer und anschlussfähig für unterschiedliche Zielgruppen.
Ganzjahresblick
Ein weiterer entscheidender Schritt ist die Entwicklung hin zu einer ganzjährigen Destination. Der Winter bleibt wichtig – doch er wird bewusst weitergedacht und ergänzt. Gerade vor dem Hintergrund zunehmend unbeständiger Schneeverhältnisse gewinnt diese strategische Ausrichtung zusätzlich an Bedeutung. Naturerlebnisse, Gesundheit, Kulinarik und Erholung schaffen neue Anlässe für Reisen und machen die Region unabhängiger von klimatischen Einflüssen. Diese Mischung erhöht nicht nur die Attraktivität, sondern stärkt zugleich die Widerstandsfähigkeit gegenüber zukünftigen Veränderungen.
Die aktuellen Entwicklungen bestätigen diesen Weg. Die Nachfrage wächst weiter – moderat, aber stabil. Besonders Zeiten mit optimalen Bedingungen zeigen, welches Potenzial in der Region steckt. Es ist ein Wachstum, das nicht auf kurzfristigen Effekten basiert, sondern auf einer vorausschauenden, gemeinsam getragenen Strategie.
Digitaler Fortschritt
Eine immer größere Rolle spielt dabei die digitale Weiterentwicklung der Branche. Moderne Technologien, datenbasierte Entscheidungen und vernetzte Systeme sind längst zu wichtigen Bestandteilen des touristischen Alltags geworden und aus kaum einem Bereich mehr wegzudenken. Ob bei der Planung von Angeboten, der Kommunikation mit Gästen oder der Analyse von Entwicklungen und Trends – digitale Lösungen schaffen neue Möglichkeiten, schneller, gezielter und effizienter zu agieren.
Auch für die Zusammenarbeit innerhalb der Region eröffnen sich dadurch neue Chancen. Gemeinsame Plattformen, abgestimmte Marketingmaßnahmen und der Austausch von Informationen erleichtern die Vernetzung der verschiedenen Akteure und helfen dabei, gemeinsam zu agieren und dadurch Kräfte zu bündeln. Gleichzeitig ermöglichen digitale Werkzeuge eine bessere Orientierung an den Bedürfnissen der Gäste und unterstützen zielgerichtete Entscheidungen auf Basis aktueller Daten.
Gerade in einem dynamischen Wettbewerbsumfeld wird digitale Kompetenz damit zu einem wichtigen Erfolgsfaktor. Sie ersetzt nicht die persönliche Begegnung und die Authentizität touristischer Angebote, sondern ergänzt sie und schafft die Grundlage dafür, die Stärken der Region noch sichtbarer zu machen. So trägt die digitale Entwicklung dazu bei, Allgäu und Bayerisch-Schwaben auch künftig modern, leistungsfähig und zukunftsorientiert aufzustellen.
Die Zukunft entsteht im Miteinander
Was in Mindelheim spürbar wurde, war mehr als die Rückschau auf ein erfolgreiches Jahr. Es war das Gefühl, gemeinsam an etwas Wertvollem zu arbeiten. Denn Tourismus verbindet Menschen, Orte und Ideen – er bringt Gastgeber und Gäste zusammen, stärkt regionale Strukturen und hält die Region lebendig.
Die 75. Vollversammlung hat gezeigt, wie viel Kraft in diesem gemeinsamen Miteinander steckt. Die Zukunft des Tourismus entsteht nicht allein durch Zahlen, Strategien und Konzepte, sondern vor allem durch die Menschen, die mit Leidenschaft, Engagement und Überzeugung daran arbeiten. Das größte Kapital von Allgäu und Bayerisch-Schwaben ist nicht nur die beeindruckende Landschaft, sondern all jene, die diese Region prägen, gestalten und jeden Tag aufs Neue mit Leben füllen. •
Quelle: b2b.allgaeu.de