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Brancheninsights

Wenn Camping zur Belastung wird

Die Campingbranche erlebt seit Jahren einen Boom, neue Zielgruppen sind hinzugekommen. Doch nicht überall wird das als Bereicherung empfunden. Das Beispiel eines Bremer Platzes zeigt, dass sich das Verhalten mancher Gäste spürbar verändert hat – mit Folgen für Betreiber und Personal.

Ein langjähriger Pächter eines traditionsreichen Bremer Campingplatzes hat nach zehn Jahren die Konsequenz gezogen und gibt seinen Platz zum Jahresende zurück. Der Grund ist nicht wirtschaftlicher Natur, sondern der tägliche Umgang mit Gästen. Der Betreiber berichtet von wachsendem Stress, der bei ihm gesundheitliche Probleme ausgelöst habe. Vor allem seit der Coronapandemie habe sich das Verhalten vieler Gäste verschärft. Neue Camper, die das Hotel vermissten, hätten Ansprüche formuliert, die mit dem Betrieb eines Campingplatzes nur schwer vereinbar seien.

Gestiegene Erwartungen, schwindende Rücksicht

Beispiele dafür gibt es viele: Diskussionen über verbindliche Abreisezeiten, Verstöße gegen die Platzordnung oder Beschwerden über zu lange Wartezeiten bei der Anreise. Auch das Ignorieren von Park- und Halteverboten gehörte zum Alltag. „Es ist die Summe“, so der Pächter, die ihn letztlich zum Aufhören bewegt habe. Dabei betont er, dass es weiterhin zahlreiche freundliche und rücksichtsvolle Gäste gebe – doch die negativen Erlebnisse überwogen für ihn. Um den Platz in seiner bisherigen Qualität zu sichern, wären erhebliche Investitionen erforderlich. Da der Pächter diese ohne Unterstützung des Eigentümers nicht stemmen kann, hat die Anlage an Attraktivität eingebüßt – ein weiterer belastender Grund für seine Entscheidung. Ob sich bereits ein neuer Betreiber gefunden hat, stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht fest.

Ihre Erfahrungen sind gefragt

Das Beispiel aus Bremen wirft die Frage auf, ob es sich um einen Einzelfall handelt oder ob sich das Verhalten von Camperinnen und Campern generell verändert hat. Haben auch Sie als Platzbetreiber ähnliche Erfahrungen gemacht? Welche Entwicklungen nehmen Sie auf Ihren Anlagen wahr – ob positiv oder herausfordernd? Wir freuen uns über Ihre Rückmeldungen, Einschätzungen und Beispiele aus der Praxis. •

Diesen Artikel hatten wir in der gedruckten Ausgabe der CW|H 5/2025 veröffentlicht; in der Folge erreichten uns zahlreiche Reaktionen – und erreichen uns noch.

Wir möchten uns an dieser Stelle herzlich bei allen bedanken, die uns ihre Erfahrungen und Einschätzungen zugesandt haben. Die Resonanz war groß und zeigt deutlich, wie sehr die aktuellen Entwicklungen auch die Betreiber von Campingplätzen beschäftigen und auch bewegen. Viele Zuschriften berichten von Herausforderungen im Alltag – von kleineren Ärgernissen bis hin zu sehr deutlichen Klagen. Andere Stimmen fielen zwar etwas zurückhaltender aus, doch in einem Punkt ähnelten sich nahezu alle Einsendungen: Die Belastungen im Umgang mit Gästen nehmen spürbar zu.
Dabei ist der Tenor nicht nur von Kritik geprägt, sondern auch von dem Wunsch nach Verbesserungen, klareren Regeln und einem respektvolleren Miteinander. Stellvertretend für die Vielzahl der Zuschriften möchten wir an dieser Stelle drei ausgewählte Stimmen veröffentlichen. Sie spiegeln die Vielzahl der Reaktionen wider und verdeutlichen, wo Platzbetreiber Sorgen, Erwartungen und Grenzen sehen.

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Leserbriefe zum Artikel „Wenn Camping zur Belastung wird“

„Hallo, ich betreibe seit 11 Jahren zwei Campingplätze. Ich kann in diesem Bericht den Belangen des Betreibers zu 100 Prozent zustimmen. Klar, es gibt Ausnahmen, diese sind aber kaum erwähnenswert. Reizthema unter anderem die Rezensionen. Obwohl der Aufenthalt laut Face to Face sehr schön war, muss man dann lesen, dass es doch nicht so toll war. Irgendwas stört immer, sei es der schwache Handyempfang, weil Handy für die Kinder ja ein ,Muss‘ ist, weil sie sich ja sonst nicht anders beschäftigen können. Dumme, belanglose Kommentare sind an der Tagesordnung. Respekt und Anerkennung vor unserer Arbeit gleich null. Wir sind 365 Tage, 24 Stunden rund um die Uhr am Start, machen vom Einchecken bis WC-Häuser alles alleine. Wenn mal Strom ausfällt, wird gleich mit Mietkürzung gedroht usw.

Man muss schon ein dickes Fell haben und sich vieles gefallen lassen. Ich persönlich bin am Jahresende ein Wrack und ausgelaugt und denke jedes Mal ans Aufhören. Wenn im Frühjahr wieder die Reservierungen von unseren Stammkunden kommen, ist wieder alles vergessen und man gibt aufs Neue Gas. So dümpelt man von Jahr zu Jahr. Liebe Grüße Monika“ •

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„Die Gäste werden rücksichtslos. Sie rufen mitten in der Nacht an und fragen, ob Stellplätze frei sind. Sie betreten die Campinganlagen, obwohl sie keine Gäste auf dem Campingplatz sind. Sie nutzen die Infrastruktur, obwohl sie auf einem nahe gelegenen Parkplatz übernachtet haben. Camper, die nachts kommen, bauen ihr Zelt auf dem Stellplatz anderer Gäste oder direkt am See auf der Liegewiese auf. Sie parken in den Grünflächen vor dem Campingplatz, obwohl dort absolutes Halteverbot auch auf den Freiflächen beschildert ist. Besucher werden nicht angemeldet und alles soll inklusive sein.

Einige Kollegen unterstützen die Dreistigkeit der Gäste, indem sie diese für 0,50 € duschen oder für 1 € Frischwasser tanken und Abwasser entsorgen lassen. Dabei sind diese Camper nicht auf Durchreise, sondern übernachten überall, wo es nichts oder weniger kostet. Und bei anderen Campingplätzen wird dies ebenfalls erwartet. Wer betriebswirtschaftlich auf der Höhe ist, weiß jedoch, dass mit diesem Entgelt nur den Gästen geholfen ist. Gleichzeitig wird Sicherheit erwartet. Wenn aber die Schranke in der Nacht nicht öffnet, wird gebrüllt und gehupt. Dass man sich auf einem Campingplatz und nicht auf einem Parkplatz befindet, ist dieser Spezies bis heute nicht bewusst. Die Toiletten werden so hinterlassen, als gäbe es keinen nächsten Gast. Wenn der Strom im Fahrzeug oder die WLAN-Einstellungen am Gerät nicht funktionieren, soll sich der Betreiber oder dessen Angestellte darum kümmern, obwohl es sich um fremde Fahrzeuge und Geräte handelt.

Reservierungen sind meist nur eine Empfehlung und sollen nur dann für den Betreiber bindend sein, wenn der Gast es so möchte. Quer über die anderen Stellplätze, vorbei an der Liege oder dem Tisch der Nachbarn, wird schon lange der kürzeste Weg genommen. Schäden an Straßenlaternen, Entsorgungsstationen, Bäumen oder Wasser- und Stromsäulen werden nicht mehr gemeldet. Mülltrennung ist ein Fremdwort und wenn die Wetter-App bewölkten Himmel oder Regen meldet, ist der CO2-Ausstoß vollkommen egal und man fährt der Sonne hinterher. Auffallend sind zu dieser Zeit die vielen Krankheitsfälle und Probleme mit den Fahrzeugen, sodass manche gar nicht erst anreisen können oder früher abreisen müssen. Wenn junge Aushilfen von gestandenen Männern im Büro aufs Übelste beschimpft werden, nur weil sie keinen Stellplatz in der ersten Reihe bekommen, zeigt das den fehlenden Respekt gegenüber anderen. Die eigene Erwartungshaltung steht über allem. Selbst unter Freunden ist man respektlos und würde gnadenlos dessen Stammplatz buchen.

Fazit: Die Leute haben zu viel Geld, zu viel Urlaub und Respekt vor fremdem Eigentum oder gar darauf aufpassen, gibt es nicht. Konsequenzen braucht niemand fürchten, da selbst unser Staat und dessen Vertreter wie die Polizei nicht mehr ernst genommen und Anzeigen meist eingestellt werden. Also wird es nur noch schlimmer und nicht besser!“ (Anonym)

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„Wir haben den Artikel des Bremer Campingplatzes gelesen. Wir möchten auch gerne etwas dazu schreiben.

Das Verhalten hat sich drastisch geändert und wir können die Entscheidung von dem Pächter gut nachvollziehen. Kaum jemand hat Zeit – alle möchten sofort bedient oder wahrgenommen werden – Öffnungszeiten oder Ruhepausen werden kaum akzeptiert. Die Toleranzgrenze liegt gegen null. Die Menschen wollen gar keine Erklärungen mehr oder warum etwas so ist, sie sind sofort auf 180 und lassen gar nichts mehr zu. Es gibt nur Schwarz oder Weiß – aber leider keine anderen Farben mehr.

Wir haben leider nicht die ,Manpowerʼ, die wir benötigen würden, um den Platz ordentlich zu betreiben, weil es leider niemanden mehr gibt, der das machen möchte. Im ländlichen Raum ist die Problematik ja noch größer, da die Bus- oder Bahnverbindung einfach nicht gegeben ist. Daher versuchen wir täglich unser Bestes zu geben, aber die ,Neu-Camperʼ haben einfach einen zu großen Anspruch, den wir teilweise nicht erfüllen können. Hinzu kommt, dass wir ,nurʼ sieben Monate Saison haben und damit das ganze Jahr finanzieren müssen. Die Nebenkosten sind derart hoch, der Winter so teuer geworden, dass wir im Sommer mehr verlangen müssen, was die Gäste aber leider auch nicht bereit sind zu bezahlen. Die Akzeptanz und das Verständnis fehlen einfach komplett. Die meinen, die ,Wieseʼ ist ja eh da. Ja, schon, aber Gärtner, Sanitär, Strom … alles will bezahlt werden.

Wie lange man das noch durchhalten kann, ist wirklich fraglich. Die netten Gäste und Leute, die zu schätzen wissen, was wir tun, sind leider sehr rar geworden, die ,Ur-Camperʼ. Wir unterschreiben sofort, dass die Menschen hohe Ansprüche haben, wenig bezahlen möchten und direkt ,pampigʼ werden.

Was wir auch bemerkt haben in diesem Jahr, die Camper kaufen definitiv weniger Brötchen als die Jahre davor. Fast jeder bringt seine eigenen Brot-, Brötchen oder Frühstückssachen mit. Der Einkauf auf dem Campingplatz fällt öfter weg, da es bei uns teurer ist als bei Aldi, Lidl und Co. Bei den Kollegen hier im Umkreis bemerken wir, wie auch in unserer eigenen Gastronomie, dass das Kaffee-und-Kuchen-Geschäft – gerade sonntagsnachmittags – ebenfalls komplett brachliegt. Das sind unsere Erfahrungen. Herzliche Grüße, Sonja“ •

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S. aus Bayern: „Wo bleibt die Freude? Unsere Familie betreibt in der dritten Generation einen Campingplatz und mit meiner bislang erworbenen Erfahrung war ich doch sehr überrascht über die so negativen Erfahrungsberichte. Wo sind die Kollegen, die Freude am Umgang mit Menschen haben, gute Gespräche oder Kontakte schätzen und schlicht gerne Gastgeber sind?

Meine persönlichen Erfahrungen sind in jedem Fall positiv. Wir bemühen uns, einen guten Job zu machen und bekommen von neuen und langjährigen Gästen sehr gute Rückmeldungen. Wir freuen uns über Lob, angenehme Gespräche und ein gutes Miteinander. Selbstverständlich gibt es auch Gäste, die man gerne abreisen sieht, die sind jedoch bei Weitem in der Minderzahl. Und es läuft auch von unserer Seite mal etwas nicht perfekt, da braucht es halt dann ein Einordnen, eine Entschuldigung und wie im richtigen Leben auch Verständnis für die ,andere Seiteʻ.

Überwiegend bleibt bei uns im Nachgang der Saison das Gefühl, dass wir Wertschätzung und Freude erfahren und es richtig ist, was wir tun. Ich hoffe sehr, dass ich damit auch für einige meiner Kollegen spreche.“

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A. R. aus Bayern: „Auch ich möchte gerne aus meiner Sicht die in Ihrem Heft ,Campingwirtschaft Heuteʻ gescholtene ,Campingsituationʻ beleuchten.

Wir haben einen kleinen Campingplatz im Süden Bayerns, betreiben ihn als Familienbetrieb und ich wundere mich über die vielen negativen Leserbriefe im Heft … Ich kann die dort gemachten Aussagen nur bedingt teilen.

Die Saison ist lang (März bis Anfang November) und im Familienbetrieb ist jeder gefordert, sieben Tage die Woche ein guter Gastgeber zu sein. Und natürlich gibt es Gäste, die sich – aus welchen Gründen auch immer – über Dinge beschweren, die zum Teil berechtigt sind oder zum Teil außerhalb unserer Möglichkeiten liegen. Doch es überwiegen die Gäste, die gerne zu uns kommen, denen unser ,analoger Betriebʻ gefällt, die entspannt mit uns umgehen (so wie wir mit ihnen) und die ganz oft bei ihrer Abreise schon für das nächste Jahr verbindlich buchen.

Ein Lächeln bei der Anmeldung, ein paar persönliche Worte, darauf Rücksicht nehmen, dass eine Fahrt mit Wohnwagen im Hochsommer bei Stau ganz schön ,schlauchenʻ kann, genau das wirkt manchmal ,Wunderʻ im Umgang miteinander. Wie sagt unser Senior ganz gerne: ,Ich freue mich, wenn im März die ersten Gäste auf den Hof fahren und ich atme auf, wenn der letzte Gast im Spätherbst den Hof verlässt.ʻ In diesem Sinne freuen wir uns auf die Saison 2026.“ •

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