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Verbände und Organisationen

Zukunftsfähige Destinationen

Der DTV-Praxisleitfaden Nachhaltigkeit im Deutschlandtourismus

Nachhaltigkeit sollte inzwischen ganz selbstverständlich im Deutschlandtourismus dazugehören. Deshalb arbeiten viele Urlaubsregionen, Kommunen oder touristische Betriebe schon lange in diese Richtung. Eine Kombination aus ökologischer Verantwortung und ökonomischem Erfolg, aber auch die Einbeziehung der Bedürfnisse der Menschen vor Ort und ein soziales Miteinander sind Grundlagen für eine funktionierende Zukunft. Aber es gibt auch noch viel zu tun. Der Deutsche Tourismusverband e. V. (DTV) liefert mit seinem umfassenden „Praxisleitfaden Nachhaltigkeit im Deutschlandtourismus“ das passende Werkzeug dafür. Was konkret in diesem Standardwerk steckt, warum es genau jetzt gebraucht wird und was diese Entwicklungen für die Praxis bedeuten, zeigt ein genauer Blick auf die aktuelle Fassung vom Juli 2026.  

Die Neuauflage und das klare Wort des DTV-Präsidenten

In Kooperation mit der Agentur reCET und gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz hat der DTV eine grundlegend überarbeitete Neuauflage des Praxisleitfadens vorgelegt. Die Notwendigkeit dieser Aktualisierung unterstreichen aktuelle Zahlen aus einer bundesweiten Befragung unter 379 Tourismusorganisationen deutlich.* Demnach geben 70 Prozent der Akteure an, dass die Bedeutung von Nachhaltigkeit in den vergangenen drei Jahren stark zugenommen hat und 72 Prozent erwarten eine weitere Intensivierung in der Zukunft. Allerdings zeigt die Auswertung auch, dass bisher erst etwa 24 Prozent der Organisationen das Thema wirklich tief und strategisch in ihren festen Strukturen verankert haben.

Die Erhebung legt zudem offen, wo die größten Hürden im Tagesgeschäft liegen. Obwohl bereits 44 Prozent der Befragten über personelle Ressourcen für das Nachhaltigkeitsmanagement verfügen, klagen 76 Prozent über zu knappe Zeitfenster und 71 Prozent über fehlende finanzielle Mittel für die Umsetzung. DTV-Präsident Reinhard Meyer betont in diesem Kontext, dass die Vision unverändert bleibt: Destinationen sollen sich so entwickeln, dass ökologische Tragfähigkeit, wirtschaftlicher Erfolg und soziale Verantwortung Hand in Hand gehen. Da der Tourismus in hohem Maße auf eine intakte Natur und die Akzeptanz vor Ort angewiesen ist, stellt nachhaltiges Handeln keine freiwillige Option dar, sondern bildet die grundlegende Voraussetzung für dauerhaften wirtschaftlichen Erfolg.

Das Grundgerüst: Vier Dimensionen für echten Wandel

Der Leitfaden strukturiert das Thema nicht nur entlang der klassischen drei Säulen, sondern erweitert diese systematisch um ein steuerndes Element:

  1. Ökonomie: Regionale Wertschöpfung steigern, Saisons entzerren und faire wirtschaftliche Partnerschaften sichern.
  2. Ökologie: Naturräume schützen, Energie- und Wasserverbräuche senken sowie Biodiversität fördern.
  3. Soziokultur: Hohe Lebensqualität für die einheimische Bevölkerung, Barrierefreiheit, Inklusion und faire Arbeitsbedingungen im Tourismus.
  4. Management & Governance: Klare Verantwortlichkeiten schaffen, Netzwerke knüpfen und Prozesse langfristig verankern.

Anschlussfähigkeit an internationale Standards

Ein wichtiges Detail des Werkes wird auf Seite 8 deutlich: Der Leitfaden versteht sich nicht als isolierte Insellösung, sondern dockt an bestehende, etablierte Referenzsysteme und Zertifizierungen an. Unter dem Motto „Das Rad nicht neu erfinden“ wurden internationale und nationale Standards – von den Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen über die Kriterien des Global Sustainable Tourism Council (GSTC) bis hin zu Zertifizierungssystemen wie TourCert („Nachhaltiges Reiseziel“), Green Destinations oder Biosphere Tourism – systematisch ausgewertet.

Der Mehrwert? Destinationen, die sich an den Kriterien des DTV-Leitfadens orientieren, erfüllen oft schon automatisch wesentliche Anforderungen dieser übergeordneten Systeme. Das erleichtert nicht nur den Einstieg in ein strukturiertes Monitoring, sondern schafft eine hohe Anschlussfähigkeit für spätere Zertifizierungen oder internationale Berichterstattungen.

Über 30 Kriterien in 11 Handlungsfeldern

Damit das theoretische Gerüst in die tägliche Arbeit überführt werden kann, arbeitet die Publikation mit über 30 konkreten Kriterien, die sich auf 11 Handlungsfelder verteilen. Diese Aufteilung dient den Betrieben und Regionen als Bestandsaufnahme, um Stärken und Schwachstellen systematisch zu identifizieren. Die Kriterien decken das gesamte Spektrum des touristischen Geschehens ab – sie reichen von der Förderung einer klimafreundlichen Anreise über das Beschaffungswesen regionaler Produkte bis hin zur Messung der Tourismusakzeptanz bei den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort.

Indikatorenset und Stellenprofil

Die Neuauflage bringt zwei wesentliche Werkzeuge mit, die den praktischen Nutzen enorm steigern. Zum einen wurde ein bundesweit abgestimmtes Indikatorenset integriert, das den Kriterien fest zugeordnet ist. Dadurch lässt sich Nachhaltigkeit nicht mehr nur subjektiv bewerten, sondern anhand klarer Kennzahlen erfassen und im Zeitverlauf vergleichen. Zum anderen liefert der DTV erstmals ein standardisiertes Anforderungsprofil für die Stelle des Nachhaltigkeitsmanagements. Das erleichtert Organisationen und Betrieben die Personalauswahl sowie die Einbettung dieser wichtigen Querschnittsaufgabe in bestehende Teams.

Was bedeutet das für Campingplätze und Freizeitanbieter?

Auch wenn sich der Praxisleitfaden in erster Linie an regionale Tourismusorganisationen wendet, strahlt er unmittelbar auf einzelne Leistungsträger aus. Gerade die Camping- und Freizeitwirtschaft ist eng mit den Inhalten verwoben, da ihr Angebot direkt auf funktionierenden Naturräumen und einer intakten regionalen Infrastruktur basiert. Gäste achten heutzutage vermehrt auf umweltschonende Details wie moderne Energiekonzepte, Müllvermeidung oder den Einsatz regionaler Lebensmittel. Sich als Betreiber an den DTV-Kriterien zu orientieren ist auf lange Sicht betrachtet sicherlich ein guter Schritt, um den eigenen Betrieb für kommende Anforderungen zu wappnen, da gesetzliche Vorgaben und politische Leitlinien zur Nachhaltigkeit peu à peu nachschärfen werden und man so mit der Regulierung mithalten oder ihr sogar voraus sein kann. Ein guter Grund, jetzt die Kennzahlen zu nutzen, Schwachstellen beim Ressourcenverbrauch aufzudecken und gezielt daran zuarbeiten. Und sich so erfolgreich in regionale Netzwerke einbringen.

Ein Kompass für die Zukunft

Der Leitfaden erweist sich als durchdachter Baukasten für die tägliche Praxis. Er kann Beteiligten die Sorge vor unüberschaubaren Anforderungen nehmen und zeigt strukturierte Schritte auf, wie der Wandel auf allen Ebenen gelingen kann. Die Kombination aus fundierter Analyse, messbaren Indikatoren und klaren Handlungsempfehlungen macht das Werk zu einem hilfreichen Begleiter für die Gestaltung der Zukunft des Deutschlandtourismus.

* Informationen und Umfrageergebnisse finden sie hier.

Jetzt reinlesen und herunterladen

Der Leitfaden steht auf der Informationsplattform des DTV kostenfrei zum Download bereit.

Direkt zum Download: DTV-Praxisleitfaden Nachhaltigkeit im Deutschlandtourismus (PDF)