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Vom Stellplatz zum Premiumdock
Das neue Gesicht der Campingmarinas
Der Bootssteg auf dem Campingplatz: lediglich ein praktisches Holzkonstrukt zum Festmachen von Schlauchboot und Kanu? Für so manche Plätze ganz bestimmt, die aus Platzgründen oder aufgrund behördlicher Auflagen gar keine andere Wahl haben. Manchmal fehlt auch einfach nur das Geld. Aber für andere Campingplätze mit eigenem Wasserzugang kann der Steg – oder auch eine komplette Steganlage – zu einer zusätzlichen lukrativen Einnahmequelle werden.
Wohlgemerkt: Wir reden hier natürlich nicht über einen kleinen beschaulichen See oder ein kaum für größere Boote befahrbares Flüsschen. Sondern von Gewässern, die auch von Seglern, Motorbootfahrern und anderen Wassertouristen genutzt werden. Und genau hier verschwimmt die Grenze zwischen der klassischen Campingplatzanlegestelle und einer „richtigen“ Marina.
Mit dem Einzug des Glampings hat sich auch die Erwartungshaltung der Gäste grundlegend verschoben. Luxussafarizelte, Design-Lodges oder besondere Tiny Houses sind auf vielen Plätzen schon selbstverständlich, das Besondere muss her. Die Ansprüche an Qualität, Ästhetik und Service steigen aber nicht nur am Land, sondern auch auf dem Wasser.

Dieser in die Jahre gekommene Bootssteg lockt vermutlich keine zahlenden Gäste an.
Vom Parkplatz zum Lieblingsplatz
Skipper möchten in der Regel nicht mehr einfach nur an einem Poller festmachen. Wer heutzutage einen Campingplatz ansteuert, sucht selten die reine Zweckmäßigkeit. Der Trend zum Glamping auf dem Wasser spiegelt exakt die Entwicklung wider, die das Camping an Land in den letzten Jahren bereits durchlaufen hat. Wassersportler, die mit hochwertigen Daycruisern, modernen Elektrobooten oder gepflegten Segelyachten reisen, bringen ein ausgeprägtes Qualitätsbewusstsein mit und erwarten entsprechend eine Infrastruktur, die nahtlos an das Niveau moderner Glampingangebote anknüpft. Das bedeutet im Klartext: Aus dem reinen Bootsparkplatz wird ein echter Wohlfühlort. Ein Treffpunkt, an dem man mit Gleichgesinnten zusammenkommt, das Hafenflair und die Urlaubsstimmung genießt und einfach eine gute Zeit hat. Für Betreiber ist das eine perfekte Gelegenheit, aufzurüsten und auf diesen Trend aufzuspringen. Anspruchsvollere Bootsurlauber bringen auch Kaufkraft mit. Was wiederum für willkommene Mehrumsätze in der Gastronomie, durch Liegeplatzgebühren oder zusätzliche Serviceangebote, wie zum Beispiel ein Reperaturservice, sorgt. Auch Wellnessangebote sind denkbar, zusätzlich zum klassischen Platzgeschäft.

Yachthafen am Chiemsee, Bayern.
Symbiose aus Holz, Licht und Komfort
Lassen Sie uns nun ein wenig ins Detail gehen: Der erste Eindruck entscheidet fast immer darüber, ob sich ein Gast direkt willkommen oder nur geduldet fühlt. Moderne Steganlagen setzen deshalb heute auf ansprechende, barfußfreundliche Materialien wie heimische Robinie oder clevere Verbundstoffe. Perfekte Harmonie: edle Optik in Verbindung mit Langlebigkeit. Eine dezente LED-Beleuchtung knapp über den Planken sorgt abends nicht nur für Sicherheit, sondern zaubert genau das romantische Hafenflair, das für Stimmung sorgt und zum Bleiben einlädt. Der echte Komfort zeigt sich direkt am Liegeplatz: Gut erreichbare Strom- und Wassersäulen gehören zum Standard, digitale Buchungsanzeigen, smarte Schließsysteme, ein stabiles WLAN oder kontaktlose Bezahlsysteme vor Ort am Steg unterstreichen den professionellen Charakter der Anlage und sparen dem Gast ganz nebenbei auch jede Menge Rennerei ins Hafenbüro.
Zweckmäßig, aber mit Stil: Der Sanitärbereich
Einer der kritischen Punkte, an dem sich die Geister scheiden und der über Hop oder Top entscheidet, ist und bleibt der Sanitärbereich. Nach einem langen Tag auf dem Wasser gibt es schließlich nichts Besseres, als erst einmal in aller Ruhe anzukommen. Dann ist Privatsphäre vor allem dann willkommen, wenn man duschen und sich frisch machen möchte. Die klassischen, zweckmäßigen Campingsanitärgebäude, die man von früher kennt, greifen hier einfach zu kurz.
Wenn man sich mit der Kulturtasche unter dem Arm in eine winzige, feuchte Kabine quetschen muss, in der es kaum eine trockene Ablage für die frische Kleidung gibt, ist die Erholung ganz schnell verflogen. Gefragt ist stattdessen ein separater Sanitärtrakt, der exklusiv für den Marinabereich zugänglich ist und echten Hotelstandard bietet. Selbstverständlich geht es hier um die Hygiene, aber eben auch um ein Stück Lebensqualität. Großzügige Einzelduschen, bei denen das Wasser nicht nach zehn Sekunden per Druckknopf ausgeht, hochwertige Armaturen und eine ausgeklügelte Belüftung, die die feuchte Luft sofort abzieht, sind dabei das absolute Pflichtprogramm. Es braucht genügend Platz, um beispielsweise auch die feuchte Segeljacke aufzuhängen, ohne dass sie direkt wieder nass wird. Wird dieser Bereich noch mit einer angenehmen Wellnessatmosphäre ausgestattet, etwa durch den warmen, erdigen Look von Naturstein, edlen Holzelementen und einer angenehmen Fußbodenheizung, wird der Gang zum Waschbereich plötzlich nicht mehr als lästige Pflicht wahrgenommen.
Für den perfekten Rundumservice lassen sich zudem eine Waschmaschine und ein Trockner für die schnelle Wäsche zwischendurch integrieren. Auch separate Spülbecken sind wichtig. Bootscrews haben auf dem Wasser oft kaum oder eingeschränkte Möglichkeiten zur Wäschepflege oder zum Spülen von Bordgeschirr. Wenn sich die Crews nach einem langen Törn auf dieses niveauvolle und entspannte Ankommen verlassen können, kommen sie nicht nur unglaublich gerne wieder, sondern empfehlen den Platz als echten Geheimtipp weiter.
Gastronomie und Lounge-Kultur
Die Marina eines Campingplatzes entfaltet ihre stärkste Anziehungskraft, wenn sie sich wie selbstverständlich in das Gesamtbild des Platzes einfügt. Wenn beide Gästegruppen sich mit der Situation wohlfühlen und ungezwungen zusammenkommen können. Die direkte Uferzone bietet das perfekte Potenzial für eine Gastronomie, die den Blick aufs Wasser inszeniert – ob als gemütliches Bistro oder als Lounge-Terrasse direkt am Steg. Hier entsteht ein schöner Berührungspunkt: Während die Liegeplatzgäste nach dem Anlegen ohne lange Wege ein hochwertiges kulinarisches Angebot direkt vor Ort nutzen, genießen die Campinggäste das maritime Flair und das ruhige Treiben am Steg.
Es geht dabei nicht um eine strikte Trennung, sondern um ein harmonisches Miteinander, von dem beide Seiten profitieren. Zum einen finden die Bootscrews auf dem restlichen Campingplatz eine hervorragende Infrastruktur vom Brötchenservice bis zu den Freizeitangeboten. Zum anderen können die Camper ganz selbstverständlich den stimmungsvollen Hafenbereich während des Abendspaziergangs ansteuern, um aufs Wasser zu schauen. Ganz ohne das Gefühl zu haben, in einer exklusiven Sperrzone zu stehen. Diese lebendige Verbindung wertet den gesamten Charakter des Platzes auf, ohne dass die Marina ihre entspannte, maritime Atmosphäre verliert.
Inspirationen gefragt? Messen wie die boot Düsseldorf (23.-31.1.27) oder die Metstrade in Amsterdam (17.-19.11.26) bieten spezielle Ausstellerbereiche für Marinas.