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Ärgerlich? Trotzdem: Plädoyer für den Maulwurf!
Kennen Sie das? Runde Hügel feinkrümeliger Erde, bis zu 30 cm Durchmesser, bis zu 25 cm hoch, stören beim Blick auf gepflegte Wiesen und Rasenflächen. Wenn ja, fühlt sich bei Ihnen ein Maulwurf wohl. Das ist heutzutage in vielerlei Hinsicht ein guter, wenn auch, zugegeben, nicht ganz ungetrübter Grund zur Freude. Daher gratulieren wir Ihnen zunächst einmal herzlich: Prima, einer der selten gewordenen Maulwürfe hat Sie als Nachbar auserkoren!
Warum dürfen Sie sich freuen, einen Maulwurf zu beherbergen? DieAntwort darauf ist einfach: Er beehrt Sie mit seiner Anwesenheit. Das ist ein großes Kompliment für Sie und Ihre gesunden Böden. Und Dank ist Ihnen gewiss: Da, wo er eine Heimat gefunden hat, arbeitet das possierliche Tierchen unermüdlich, und beweist sich in seinem großen Revier als Nützling. Und Heimat braucht der Maulwurf dringend, denn sein Lebensraum ist knapp geworden und wird täglich knapper. Denn rein rechnerisch werden in Deutschland jeden Tag rund 60 Hektar Boden für Wohn- und Verkehrsflächen verbraucht.
Und der Maulwurf ist angewiesen auf gesunden Boden. Wo er lebt, ist der Boden, der sozusagen die Haut unseres Ökosystems bildet, noch intakt. So hat der Mensch, der hier lebt, auch einen Grund zur Freude, denn er genießt ein besonders wertvolles Stück Natur.
Maulwurf – der Nützling
Sozusagen als Entschädigung für die störenden Hügel auf der schönen Wiese bringt Ihnen der Maulwurf vielerlei Nutzen.
• Mit seiner Grabtätigkeit kümmert sich das Tierchen darum, den Boden für Sie gesund zu halten. Das macht er effizienter und Klima schonender als jeder Vertikutierer. Ein einziges Weibchen sorgt für Lockerung und Durchlüftung einer Gesamtfläche von rund 2.000 qm, das Männchen schafft sogar 6.000 qm.
• Im Sommer liegen die Gänge oft oberflächennah, maximal 40 oder 50 cm tief, zumeist unter der Hauptwurzelregion. Doch bei allzu großer Hitze oder im Winter bei Frost wird der Boden sogar bis zu einer Tiefe von einem Meter erfolgreich bearbeitet und vermischt, was zur besseren Fruchtbarkeit führt.
• Der Aushub des Maulwurfs, sein Hügel, besteht aus feinster Erde, braucht weder gesiebt noch gegen Schädlinge sterilisiert werden und eignet sich somit bestens als Beimischung zu eigenen Substraten für Kübelkultur, Blumenbeet und sogar als Kräuter- und Anzuchterde.
• Der Maulwurf ist reiner Fleischfresser, so richtet er selten Wurzelschäden an. Im Gegenteil, sein Stoffwechsel arbeitet so schnell, dass er täglich große Mengen Lebendfutter – ungefähr die Hälfte seines Eigengewichts – benötigt. Das Gute dabei: Zu seiner Nahrung gehören neben Regenwürmern auch vielerlei Agrarschädlinge wie Raupen, Fadenwürmer, Drahtwürmer und Engerlinge. Zur Mahlzeit vertilgt der Maulwurf Larven und Puppen gleichermaßen gern, und auch Schnecken und sogar junge Mäuse werden nicht verschmäht. Mit großem Appetit ist er Tag für Tag auf Jagd nach Schädlingen unterwegs – sozusagen als lebendiges biologisches Pflanzenschutzmittel.
• Zwar futtert der Maulwurf gerne die ebenfalls nützlichen Regenwürmer, doch das macht er wett, indem er den äußerst fruchtbaren Zwittern gut durchlüfteten und gelockerten Boden anbietet. So haben die Regenwürmer optimale Bedingungen, um immer genügend Wurm-Nachwuchs zu produzieren.
• Wo ein Maulwurf sein Revier hat, verjagt er erfolgreich alle Wühlmäuse – die zu Recht als Schädlinge gelten.
Der Maulwurf genießt Naturschutz
Maulwürfe gehören in Deutschland zu den besonders geschützten Arten. Maßgeblich ist heute vor allem § 44 des Bundesnaturschutzgesetzes in Verbindung mit der Bundesartenschutzverordnung. Danach ist es strengstens verboten, die Tiere zu fangen, verletzen oder sogar zu töten. Ebenso verboten sind Beschädigung oder Zerstörung seiner Fortpflanzungs- oder Ruhestätten. Wer dies nicht beachtet, kann laut Katalog je nach Bundesland mit einem Bußgeld von bis zu 5.000 (Rheinland-Pfalz) oder 65.000 (Brandenburg) Euro bestraft werden, wobei in den meisten Bundesländern Höchstbeträge von bis zu 50.000 Euro vorgesehen sind.
Seine selbst gemachte„Geburtenkontrolle“ als absoluter Einzelgänger (lebenslanger Single, der nur zum „Maulwurfeln“ sein Revier verlässt) und die scharfe natürliche Auslese, sind die Gründe dafür, warum der Maulwurf es auf die Liste „geschafft“ hat. Anders als bei Kaninchen, Wühlmaus und Ratte besteht daher kein Anlass zur Befürchtung einer Überpopulation, sondern des Aussterbens. Als probate Mittel zur Vertreibung des Maulwurfs werden unterschiedlichste Empfehlungen verbreitet, angefangen beim Knoblauchkügelchen bis hin zum Einsatz eines Mähroboters. Die Wirksamkeit von Knoblauchkügelchen probieren Sie am besten selbst aus. Kompetenten Rat erhalten Sie bei der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde Ihres Bundeslands (Landratsamt oder Stadtverwaltung), bei Naturschutzverbänden oder anderweitigen bundesweiten Informationsstellen wie Umweltbundesamt oder beim Bundesumweltministerium)
Spannendes und Wissenswertes über den Maulwurf finden Sie im Internet,
z.B. beim NABU Na-turschutzbund Deutschland e. V.: www.nabu.de
Dieser Artikel erschien erstmals in der Campingwirtschaft Heute 2/2019.