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Tourismus

Nachhaltiges Reisen

Der Wunsch ist da, es mangelt an der Umsetzung

Keine Frage, das Bewusstsein für die Notwendigkeit des nachhaltigen Reisens ist definitiv vorhanden und wächst stetig. Die Menschen wissen zunehmend um die ökologischen Folgen des globalen Tourismus und äußern in Umfragen immer häufiger den Wunsch, ihre Ferien umweltfreundlicher zu gestalten. Was also hält die Reisewilligen nach wie vor davon ab, diesen Aspekt bei ihrer konkreten Urlaubsauswahl bedeutungsstärker mit einzubeziehen? Warum verharrt das Buchungsverhalten oft in alten Mustern, obwohl der gute Vorsatz im Kopf bereits verankert ist?

Aktuelle Zahlen des Nachfragemonitors „Nachhaltigkeit bei Urlaubsreisen“ zeigen, dass auf diesem Sektor ein deutliches Potenzial zur Steigerung vorliegt, die Entwicklung aber nur langsam vorankommt. Mittlerweile ist der Nachhaltigkeitsaspekt immerhin für gut ein Viertel der Befragten eine ernsthafte Überlegung wert. Bei den tatsächlichen Buchungen sieht es jedoch ernüchternder aus: Nur bei knapp 15 Prozent aller Urlaubsreisen wird gezielt auf entsprechende Nachhaltigkeitskennzeichnungen oder zertifizierte Angebote geachtet. Der große Sprung in der Breite der Bevölkerung bleibt somit noch aus.

Das Dilemma auf dem Weg zum Ziel

Schon alleine die anhaltend hohe Nachfrage nach Flugreisen macht klar, dass umweltfreundlichere und nachhaltigere Alternativen wie Bahn- oder Busreisen entweder nicht ausreichend attraktiv oder für gewünschte Destinationen kaum bis gar nicht verfügbar sind. Oft scheitert der Verzicht auf das Flugzeug an komplizierten Buchungswegen, mangelnden Direktverbindungen über Ländergrenzen hinweg oder schlicht an der Reisezeit, die bei der Wahl von Schiene oder Straße verloren geht.

Anspruch und Wirklichkeit am Urlaubsort

Doch nicht nur die Art der Fortbewegung ist ausschlaggebend, auch die Angebote der angestrebten Unterkünfte lassen des Öfteren einen Mangel an entsprechendem Engagement erkennen. Bei der finalen Entscheidung wird von den Gästen dann zähneknirschend in Kauf genommen, dass die Unterkunft von keinem Ökolabel ausgezeichnet ist. Es wird akzeptiert, dass vor Ort eben keine Solaranlage vorhanden ist, keine durchdachte Energieeffizienz angestrebt wird und auch nicht versucht wird, möglichst viel Abfall zu vermeiden oder regionale Wirtschaftskreisläufe zu unterstützen. Die Bequemlichkeit und die Sehnsucht nach Erholung wiegen im Moment der Buchung oft schwerer als das ökologische Gewissen.

Die Vorurteile der grünen Preisfalle

Überlegungen zu den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln sind weitere entscheidende Faktoren, die Reisende zögern lassen. Es hält sich hartnäckig das Vorurteil, dass ein grüner Urlaub automatisch das Budget sprengt. Dabei ist nachhaltiges Reisen keineswegs per se teurer. Wer Nachhaltigkeit als echtes Kriterium in den Fokus rückt, verzeichnet im Durchschnitt sogar oft geringere Reiseausgaben. Das liegt allerdings vor allem in der grundlegenden Struktur dieser Urlaube begründet, da hierbei häufig geringere Distanzen gewählt sowie eine andere Auswahl von Unterkunft und Verkehrsmittel getroffen werden.

Komfort als Schlüssel zum Standard

Um das enorme Potenzial für nachhaltige Reisen endlich voll auszuschöpfen, bedarf es dringend weiterer Anreize und vor allem attraktiver, transparenter Angebote seitens der Tourismuswirtschaft. Diese müssen so konzipiert sein, dass sie auch die übrigen Komfort- und Erholungsansprüche der Menschen mühelos erfüllen. Nur wenn der nachhaltige Urlaub die einfachste, komfortabelste und logischste Option wird, kann eine umweltfreundliche Reiseentscheidung in der Breite der Bevölkerung zum gelebten Standard werden. Am Preis jedenfalls muss nachhaltigeres Reisen nicht scheitern.

Hintergrund zur Untersuchung

Die Reiseanalyse ist eine Untersuchung der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V. (FUR), sie findet jährlich statt. Der Nachfragemonitor „Nachhaltigkeit bei Urlaubsreisen“ wird zusätzlich mit finanzieller Unterstützung des Umweltbundesamts aus Mitteln des Bundesumweltministeriums (BMUV) durchgeführt. Als Datenbasis dient die Reiseanalyse der FUR, eine jährliche bevölkerungsrepräsentative Befragung von über 7.000 Personen der deutschsprachigen Wohnbevölkerung ab 14 Jahren zu ihrem Reiseverhalten. •

Der Artikel erschien erstmals in der Campingwirtschaft Heute 6/2024. Aktualisiert.