Foto: Leo Ingenlath/Norddeutscher Campingtag GmbH
Auf ein Wort mit Leo Ingenlath
Der diesjährige Gastgeber und Präsident des BVCD Nordrhein-Westfalens e. V., Leo Ingenlath, ist selbst seit vielen Jahren als Campingunternehmer am Niederrhein aktiv. Damit trifft bei ihm die Perspektive des Unternehmers unmittelbar auf die Verantwortung des Verbandsvorsitzenden. Das ergibt eine Kombination, die einen besonderen Blick auf die aktuellen Herausforderungen und die Zukunft der Branche ermöglicht.
CW|H: Herr Ingenlath, gerade in der heißen Phase der Vorbereitungen für den NCT 2026 freuen wir uns besonders, dass Sie sich die Zeit für ein Gespräch nehmen. Zuerst aber eine Frage ohne Fakten und Zahlen: Was genau fasziniert Sie persönlich bis heute am Camping, auch noch nach so langer Zeit in der Branche? Oder war das von vorneherein ein Selbstläufer, weil sie mehr oder weniger schon in jungen Jahren hineingewachsen sind?
L. I.: In diesem Jahr haben wir das 50-jährige Bestehen unseres Betriebs gefeiert. Durch die Übernahme des Campingplatzes meiner Eltern bin ich früh in die Branche hineingewachsen. Dabei war und ist der Betrieb immer auch eine Familienangelegenheit: Meine Frau Birgit hat mich auf diesem Weg begleitet und unterstützt, später sind auch unsere Kinder als Betreiber mit eingestiegen. Ein Selbstläufer war das alles jedoch nie. Uns war schon früh bewusst, dass ein Betrieb sich stetig weiterentwickeln muss, um langfristig erfolgreich zu bleiben.
Was mich bis heute fasziniert, sind die Potenziale, die unsere Branche bietet. Wir erleben Veränderungen bei den Gästeansprüchen, neue technische Entwicklungen und eine enorme Dynamik am Markt. Genau diese Mischung aus unternehmerischer Verantwortung und persönlichem Gestaltungsspielraum macht die Campingbranche für mich so spannend. Und sie ist auch ein Grund, warum ich den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen so schätze. Beim Norddeutschen Campingtag, in diesem Jahr vom 11. bis 12. November in Essen, kommen diese unterschiedlichen Erfahrungen zusammen – und daraus entstehen häufig Ideen, die man mit in den eigenen Betrieb nehmen kann.
CW|H: Alle Zahlen zeigen, dass Camping boomt, aber auch die Kosten steigen auf allen Ebenen, regulatorische Anforderungen werden umfangreicher und der Investitionsdruck tut sein Übriges. Wo liegt aus Ihrer Sicht die Grenze zwischen notwendiger Professionalisierung und der Gefahr, dass Camping seinen besonderen Charakter verliert?
L. I.: Für mich stehen Professionalisierung und der besondere Charakter eines Campingplatzes keineswegs in Widerspruch zueinander. Im Gegenteil: Professionelle Strukturen sind heute eine wichtige Voraussetzung, um den gestiegenen Gästeansprüchen gerecht zu werden und langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Gleichzeitig muss jeder Betreiber darauf achten, sich selbst und seinem Betrieb treu zu bleiben. Diese Authentizität ist für die Gäste ein wesentlicher Bestandteil des Urlaubserlebnisses. Professionalisierung darf deshalb nicht bedeuten, dass jeder Betrieb gleich aussieht oder nach demselben Konzept funktioniert.
Natürlich spüren auch wir den Kosten- und Investitionsdruck. Deshalb müssen wir wirtschaftlich abwägen, welche Maßnahmen notwendig und langfristig sinnvoll sind. Nicht jeder Trend muss mitgemacht werden. Entscheidend ist, den eigenen Betrieb zukunftsfähig aufzustellen und dabei sein klares Profil zu bewahren.
CW|H: Als Verbandsvorsitzender vertreten Sie die Interessen sehr unterschiedlicher Betriebe – vom kleinen Familienplatz bis zum großen professionell geführten Ferienresort. Sie kennen ja nun die Branche nicht nur aus der Verbandsperspektive, sondern stehen selbst jeden Tag auf einem Campingplatz. Können Sie sagen, wo die Interessen dieser unterschiedlichen Betriebe inzwischen auseinanderdriften und was kann ein Verband tatsächlich leisten, um diese Unterschiede zusammenzubringen?
L. I.: Alle Betriebsformen sind wichtig für unsere Branche und unseren Verband, denn sie sprechen unterschiedliche Zielgruppen an und machen mit ihrer Vielfalt die Campinglandschaft sehr reizvoll. Als Landesverband BVCD-NRW e. V.vereinen wir familiengeführte Plätze ebenso wie größere Betreiberstrukturen und Ferienresorts. Uns verbindet das gemeinsame Ziel, die Campingbranche in unserer Region zu stärken. Dabei bündeln wir unterschiedliche Interessen, entwickeln gemeinsame Positionen und vertreten die Anliegen der Branche gegenüber Politik und Wirtschaft. So unterschiedlich die Betriebe auch sind, haben wir alle mit denselben Herausforderungen wie Kostensteigerungen, Fachkräftemangel und rechtliche Rahmenbedingungen zu tun.
Auch die Gründung des Norddeutschen Campingtags vor rund zehn Jahren hatte genau dieses Ziel: den fachlichen Austausch und die Vernetzung innerhalb der Branche zu fördern. Dass der Landesverband BVCD-NRW e. V. nun bereits zum zweiten Mal Gastgeber dieser größten Branchenveranstaltung in Deutschland ist, darauf bin ich stolz.
CW|H: Läuft die Branche möglicherweise Gefahr, den schnellen Veränderungen auch innerhalb des sich wandelnden und zunehmenden Gästeanspruchs hinterherzulaufen? Oder der sich rasant entwickelnden Technik?
L. I.: Nein, ich bin nicht der Meinung, dass unsere Branche grundsätzlich den Anschluss verpasst. Ganz im Gegenteil: Ich erlebe viele Betreiber als ausgesprochen aufmerksam, engagiert und offen für neue Entwicklungen. Wir stehen heute in engem Kontakt mit unseren Gästen, bekommen unmittelbar Rückmeldungen und können dadurch besser einschätzen, welche Bedürfnisse sich verändern und welche Angebote künftig gefragt sein könnten.
Hinzu kommt der Austausch unter Kollegen darüber, welche technischen Lösungen sich bei Modernisierungsmaßnahmen bewähren. Heute gehen wir einen Schritt weiter und nutzen Plattformen wie den NCT mit einer umfangreichen Fachausstellung von rund 100 Ausstellern, um uns vielfältig zu informieren. Hier können wir als Betreiber direkt mit Herstellern, Dienstleistern und Branchenexperten ins Gespräch kommen und Produkte kennenlernen, um eben nicht „hinterherzulaufen“.
CW|H: Noch eine letzte Frage: Sie haben den Campingplatz Ihrer Familie über Jahrzehnte mitentwickelt und erlebt, wie aus dem Platz Ihrer Eltern unter Ihrer Führung ein moderner Campingpark geworden ist. Inzwischen arbeitet auch die dritte Generation im Betrieb mit. Was lernt man über einen Generationenwechsel, wenn man ihn zweimal aus unterschiedlichen Perspektiven erlebt? Anders gefragt: Was muss die nächste Generation Ihrer Meinung nach anders machen als die vorherige – oder eben nicht?
L. I.: Ob eine Veränderung zum Erfolg führt, weiß man oft erst im Nachhinein. Jede Generation muss ihre eigenen Erfahrungen sammeln und auch einmal Lehrgeld zahlen. Deshalb ist es wichtig, dass die abgebende Generation der nachfolgenden genügend Freiraum für eigene Entscheidungen lässt. Dabei kann man von den Erfahrungen der Vorgänger lernen, aber auch auf die eigene Intuition vertrauen.
Mein persönlicher Leitgedanke lautet: „Stillstand ist Rückstand.“ Das versuche ich auch in unserem Betrieb vorzuleben, damit die nächste Generation mutig ihren eigenen Weg gehen und ein Konzept entwickeln kann, das zu ihr passt. Wir lernen voneinander – innerhalb der Familie genauso wie in der Branche. Veranstaltungen wie der Norddeutsche Campingtag bieten dafür eine wertvolle Plattform, auf der unterschiedliche Generationen und Betriebskonzepte zusammenkommen und neue Impulse für die Zukunft entstehen.
CW|H: Lieber Herr Ingenlath, wir danken ganz herzlich und sehen dem NCT 2026 in Essen mit Spannung entgegen.
