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Johannes Wiest, youboard

Gründerportrait

Vor Kurzem sind wir auf einen jungen Unternehmer aufmerksam geworden, dessen Weg von einer Masterarbeit in die Campingbranche und schließlich zur eigenen Gründung führte. Johannes Wiest beschäftigte sich als Student der Wirtschaftsinformatik darin mit der Frage, wie Schadens- und Problemmeldungen auf großen Flächen mit begrenztem Personal funktionieren können, wenn nicht rund um die Uhr jemand vor Ort ist. Campingplätze erwiesen sich dabei als besonders anschauliches Beispiel.

Aus den Erkenntnissen dieser Arbeit entwickelte sich die Idee für youboard, einem digitalen Meldesystem für Unterkünfte und Campingplätze – und damit auch das Thema Mängelmeldung, das wir im nebenstehenden Artikel näher beleuchten. Doch aus einer Idee, ein Unternehmen zu machen, ist noch einmal ein eigener Weg. Was hat Johannes Wiest zur Gründung bewogen, wie hat er sich darauf vorbereitet und was hat er auf diesem Weg gelernt? Wir haben mit ihm über seinen Weg vom Masterstudenten zum Gründer gesprochen.

CW|H: Interessantes Thema für eine Masterarbeit, Herr Wiest. Ich nehme an, Sie gehen selber campen und die Fragen, die sich für Ihre Arbeit ergeben haben, erwuchsen sicherlich aus persönlichen Erfahrungen. Aber zwischen einer Masterarbeit und der Gründung eines Unternehmens liegt ein großer Schritt. Was hat bei Ihnen den Ausschlag gegeben, ihn tatsächlich zu gehen?

J. W.: Campen gehört für mich seit der Kindheit dazu: jedes Jahr in den Sommerferien im Zeltlager, nach meinem Abitur bin ich durch Kanada gereist und durfte auf den schönsten Plätzen übernachten. Bis heute gehe ich jeden Sommer für ein paar Tage mit meinen Cousins am Bodensee zelten, das ist Tradition.

Mit Camping hatte die Idee zunächst nichts zu tun. Der Anstoß für youboard war ganz banal: In meiner damaligen Wohnanlage wollte ich einen überquellenden Müllcontainer melden. Per E-Mail oder Telefon war das so umständlich, dass ich mich fragte, warum es dafür keine einfachere Lösung gibt. Einmal melden, fertig, das hilft mir und der Hausverwaltung. Schnell war klar, dass sich das Prinzip auf viele Bereiche übertragen lässt. Durch meinen sommerlichen Campingurlaub bin ich dann auf Campingplätze gekommen. In den ersten Gesprächen habe ich direkt gemerkt, dass die Betreiber genau dieses Problem kennen: Gäste haben keinen einfachen Weg, etwas zu melden, und nehmen den Ärger mit nach Hause oder schreiben eine schlechte Bewertung. Dabei wollen beide Seiten dasselbe: Gäste wollen teilhaben und melden, was ihnen auffällt, und Betreiber wollen es wissen, weil sie nicht überall gleichzeitig sein können.

Nach diesen Gesprächen stand für mich fest, dass die Idee trägt. Dass ich etwas Eigenes gründen möchte, wusste ich früh. Unter dem Namen youboard habe ich schon während der Schulzeit Longboards gebaut und online verkauft. Programmieren habe ich im Studium gelernt und als Werkstudent angewendet, dadurch kann ich Ideen selbst umsetzen und testen. Also habe ich neben dem Studium angefangen, youboard zu programmieren. Ein großer Schritt war es trotzdem, so eine Entscheidung ist immer mit Unsicherheit verbunden. Umso toller war es, dass bereits die ersten Tests gut anliefen und die Rückmeldungen von den Plätzen positiv waren.

CW|H: Ein wichtiger Aspekt bei Entwicklung eines Produkts und Gründung eines Unternehmens ist im Vorfeld die Finanzierung. Wie war das bei Ihnen? Gibt es dafür Fördermittel, die man in Anspruch nehmen kann oder haben Sie eigenes Kapital oder Investoren genutzt? 

J. W.: Über ein Unternehmerprogramm der TU München, das ich am Ende meines Studiums besucht habe, bin ich auf EXIST gestoßen, ein Gründerstipendium der Bundesregierung. Den Antrag habe ich mit der Gründungsberatung vorbereitet und angestoßen. Allerdings ist damit ein enormer Aufwand verbunden: ausführliche Planung im Vorfeld, dazu laufende Nachweise und Berichte. Am Ende habe ich mich dagegen entschieden, die Zeit war besser in das Produkt investiert. Denn youboard entsteht sehr nah am Kunden: Die Plattform muss sich ständig anpassen, damit sie für Gäste und Betreiber den größten Nutzen bringt. Eine Planung, die weit im Voraus feststeht, passt dazu nicht. Deshalb habe ich mich nebenher als IT-Berater selbstständig gemacht und finanziere youboard daraus quer. Das gibt mir die Freiheit, Dinge zu ändern, sobald ich aus der Praxis etwas Neues lerne. 

CW|H: Jedes neue Produkt wird in zahlreichen Praxistests auf Herz und Nieren geprüft, dabei werden Fehler eliminiert, entsprechende Verbesserungen vorgenommen. Wie darf ich mir das hier vorstellen? Haben Sie Platzbesitzer kontaktiert und sie gefragt, ob sie youboard auf ihrem Platz testen möchten? 

J. W.: Genau so. Ich habe eine erste Version gebaut und direkt Platzbetreiber angeschrieben, die bereit waren, sie auszuprobieren und gemeinsam weiterzuentwickeln. Der enge Kontakt zu den Pilotprojekten stand von Anfang an im Mittelpunkt, gerade um auch kleinere Verbesserungsvorschläge aufzufangen und die Plattform stetig zu optimieren. So ist zum Beispiel die Freitextfunktion entstanden: Ursprünglich konnten Gäste nur Probleme melden, die der Betreiber vordefiniert hat, heute können sie zusätzlich frei beschreiben, was mehr Erklärung braucht.

Foto: Marian Wilhelm

Johannes Wiest, Gründer des digitalen Meldesystems youboard für Unterkünfte und Campingplätze

CW|H: Sie haben bewusst auf eine eigene App verzichtet und nutzen stattdessen direkte Web-Links per QR-Code. Warum dieser technische Weg? Und sicherlich zielt die Nutzung nicht ausschließlich auf Campingplätze oder Hotels ab. Funktioniert das Service-Tool zum Beispiel auch für Fitnessstudios oder öffentliche Einrichtungen oder große Wohnanlagen?

J. W.: Ganz ohne App geht es nicht, aber sie ist für die andere Seite gedacht: für Betreiber und Mitarbeitende. Ein Gast will nur ein Problem melden. Meist geht es um Kleinigkeiten, dafür lädt niemand etwas herunter. Er scannt den QR-Code, meldet und ist fertig. Kein Konto, keine Daten.

Grundsätzlich ist youboard für den Rechner ausgelegt, dort läuft die Verwaltung. Was gerade los ist, sieht man in der App: wann, wo und vor allem wie viele Meldungen eingegangen sind. Praktisch, wenn man auf dem Platz unterwegs ist. Einen Zugang bekommt jeder im Team, auch ohne betriebliche E-Mail-Adresse, die viele gar nicht haben. So sieht man jederzeit, wo es hakt, und kann eine Aufgabe direkt der richtigen Person zuweisen.

Und ja, Camping ist nur ein Anwendungsfall. Interessant wird es überall dort, wo die Qualität der Räume über das Kundenfeedback entscheidet und man schlechten Bewertungen vorbeugen will. Bei Hausverwaltungen, wo die Idee mit dem Müllcontainer entstanden ist, und bei Co-Working-Spaces läuft youboard bereits, und Fitnessstudios, Autohöfe oder Ladeparks passen genauso ins Bild.

CW|H: Sie haben mit diesem Service-Tool ein spannendes Projekt entwickelt und wie ich sehe, haben Sie gleichzeitig noch weitere berufliche Asse im Ärmel. Wo soll die Reise für Sie persönlich in den nächsten Jahren hingehen?

J. W.: Aktuell bin ich sehr eingespannt mit der parallelen Arbeit für youboard und meiner IT-Beratung. Mir macht beides Spaß, aber mein Wunsch wäre, dass ich mich in den nächsten Jahre zu 100 Prozent auf youboard fokussieren kann. Ich bin jemand, der gerne selbst anpackt, mithilft und „was schafft“, da passt dieser Kommunikationsbereich einfach noch besser zu mir als die Beratung.

CW|H: Vielen Dank für das sympathische Gespräch. Wer weiß, vielleicht kommt das nächste Problem, das gelöst werden möchte, bald schon um die Ecke. Dann sind wir gespannt auf neue Ideen. Weiterhin alles Gute und viel Erfolg. 

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